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zuletzt aktualisiert am: 26.07.2010

Interview mit Karel Ritonja im Juni 2008

Karel Ritonja

Wann hast du angefangen Kampfsport zu trainieren?

Ich fing mit 14 Jahren in einer Polizeischule (Internat) in Slowenien mit verschiedenen Kampfsportarten (Karate-Shotokan, Judo, Jiu-Jitsu) an. Schon 2 Jahre später hatte ich verschiedene Graduierungen in den 3 Sportarten, u.a. den 1. Dan in Jiu-Jitsu.


Wie konnte das so schnell gehen?

Wir hatten 4-5 Stunden Training am Tag, 7 Tage die Woche.

 

Wie ging es weiter?

Die 5 besten Schüler wurden zur Weiterbildung nach Ljubliana zu Herrn Takaschi (7. Dan Karate) geschickt. Hier folgten wiederum verschiedene Trainings, jedoch vorwiegend in Karate.

1979 musste ich das Training dann wegen der Wehrpflicht unterbrechen.


Wie hat es dich nach Deutschland verschlagen?

Im Urlaub führte mich mein Weg nach Deutschland, wo ich in Hamburg 2 Monate Aufenthalt hatte. Nach einem Familienbesuch im Schwarzwald beschloss ich mich in Deutschland nieder zu lassen.


Noch immer Pause beim Kampfsport. Wann entschiedest du dich, das Training wieder aufzunehmen?

Viel Arbeit und gute Küche haben mein Gewicht um 25 Kilo gesteigert, ich entschloss mich etwas dagegen zu tun. Im Frühjahr 1988 erschien im Wildbader Anzeigenblatt eine Anzeige, in der Joachim Schrader und Claus Hartmann Tae Kwon Do angeboten haben.

Da ich mich schon immer dem Kampfsport verbunden fühlte, wollte ich eigentlich nach Pforzheim in den Judo-Club um wieder Jiu-Jitsu zu trainieren. Aus familiären Gründen war dies jedoch nicht möglich. Da kam mir die Anzeige sehr gelegen und nach einem Probetraining im Eberhardsbad bei Joachim Schrader (1. Dan Tae Kwon Do) und Claus Hartmann (gelb-grüner Gürtel) begann ich Tae Kwon Do zu trainieren.


Wo habt ihr denn damals trainiert?

Uns standen 3 Trainingsstätten zur Verfügung: Im Eberhardsbad, im heutigen Haus des Gastes und in der alten Turnhalle in Calmbach. Die Trainingszeiten waren unzumutbar.

Im selben Jahr traten wir nach Abstimmung mit dem 1. Vorsitzenden Robert Locher in den TV Calmbach ein. Ebenfalls traten wir zu der Zeit in die DTU (Deutsche Taekwondo Union) ein. Diese ist Mitglied der WTF (World Taekwondo Federation), somit sind die Graduierungen weltweit anerkannt.


Du hast damals eine führende Rolle gespielt.

Ja, wir bildeten im TV Calmbach die Abteilung Tae Kwon Do, deren 1. Vorsitzender, Trainer, Gerätewart und Übungsleiter ich war. Von Anfang an wurde ich dabei von Herrn Kwak Kum Sik (Großmeister, 9. Dan Tae Kwon Do) begleitet. In seiner Schule in Pforzheim trainierte ich 2 Mal in der Woche Tae Kwon Do. Bis heute begleitet er uns in Form von Unterricht, Prüfungsabnahme, Turnierorganisation und Beratung.

 

Du sagtest vorhin, die Trainingszeiten waren unzumutbar. Wurde dies nach dem Eintritt in den TV Calmbach besser?

Nein, die Trainingszeiten wurden dadurch leider nicht besser. Deshalb haben wir uns 2 Jahre später in das Fitway (Fitnessstudio) in Höfen eingemietet. Mit der Zeit wurden die Räumlichkeiten jedoch leider zu klein. 10 Jahre lang waren wir in weitem Umkreis die einzige Tae Kwon Do Schule und der Zuspruch war groß.


Es folgte der Umzug in den Goldenen Anker nach Calmbach. Wie kam es dazu?

Bei einem Abendessen stellten wir fest, dass der Festsaal nebenan leer stand. Es zeigte sich, dass diverse Umbauten notwendig waren. Es gab keine Garderoben, Duschen, Heizung, keinen separaten Eingang und keinen Aufenthaltsraum. Trotzdem zogen wir Ende der 90er in die neuen Räumlichkeiten um.

Möglich war das zum großen Teil dank der Mithilfe von ehemaligen Schülern: Dr. Paul Westerkamp, Karsten Krüger und Božo Clarič. Hinzu stießen Lars Fleißner und Marcella.


 

Heute trainiert Karel's Tae Kwon Do Schule in Räumlichkeiten des ehemaligen Prontorwerkes. Warum der erneute Umzug?

Auch im Goldenen Anker reichte der Platz nicht mehr und wir suchten größere Trainingsräume. Dies gestaltete sich schwieriger als erwartet. Nach langer Suche fanden sich durch Vermittlung von Michael Grahl, Renate Lehmann und Volker Gründer in den Versammlungsräumen des ehemaligen Prontorwerkes in der Gauthierstraße. Hier konnten wir 1 Jahr später zusätzlich einen Fitnessraum eröffnen.

Ursprünglich war dieser für die Eltern der Tae Kwon Do-Schüler gedacht, doch nach großer Ressonanz stehen die Trainingsmöglichkeiten nun auch der breiten Bevölkerung zur Verfügung.


Was war dein glücklichster Moment in Karel's Tae Kwon Do Schule?

Das war, als ich gemerkt habe, dass meine Unterrichtsart vielen Schülern den richtigen Weg aufwies und somit auch bei den Eltern Zuspruch fand.


Und was war dein größter Erfolg?

Der Erfolg in Form von Pokalen und Platzierungen hatte für mich nie einen besonders hohen Stellenwert. Ich habe diese deshalb auch nie gezählt, obwohl es bereits in Slowenien schon etliche waren. Und auch später, als wir einen Vorstoß in die Weltmeisterschaften wagten, zählte mein eigener Erfolg wenig. Wichtig war stets nur der Erfolg der gesamten Schule.


Und da hat sich schon einiges angesammelt.

Richtig, unzählige Bezirks-, Landes-, Bundes-, Interkontinental- und Weltmeistertitel gingen auf die Rechnung der gesamten Schule. Ich bin der Meinung, dass ein guter Trainer ohne gute Schüler nichts ist und gute Schüler sich nicht ohne guten Trainer entwickeln können.


Lief es zwischenzeitlich auch mal nicht so gut?

Das ständige Auf und Ab ist der Lauf des Lebens. Die immer wiederkehrenden Schüler und der ständige Kontakt zu ihnen beweist mir aber, dass ich nicht viele Fehler gemacht habe. Die 5 Grundsätze des Tae Kwon Do halten uns vom Aufhören ab.


Dieses Jahr feiert Karel's Tae Kwon Do 20-jähriges Bestehen. Gab es Momente, in denen du das Handtuch werfen wolltest?

Diese Momente gab und gibt es immer wieder. Aber die Geschichte und Tradition, die im Tae Kwon Do groß geschrieben werden, gaben mir immer wieder den nötigen Antrieb und die Zufriedenheit und Gewissheit darüber, dass ich mich nicht mehr beweisen muss. Ich kann sehen, dass die Arbeit, die ich verrichte, auch die nötigen Früchte trägt.

Leider merken auch wir, dass im elektronischen Zeitalter das Interesse an sportlicher Betätigung schwindet. Das Angebot an Computerspielen, die Fähigkeiten des Tae Kwon Do „vortäuschen“, erscheinen einigen Jugendlichen einfacher, als das andauernde Training an den tatsächlichen, körperlichen Fähigkeiten.


Wie sieht die Zukunft in Karel's Tae Kwon Do aus?

Nach der Sommerpause werden wir wieder verstärkt mit dem Training beginnen. Dan- und Cup-Prüfungen stehen vor der Tür und die ersten Turniertermine sind bekannt, auf die wir uns vorbereiten werden. Neue Gesichter sind uns dabei immer willkommen und zu einem Probetraining herzlich eingeladen.